Erklärung des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie

Mit dieser Erklärung wendet sich  der „Runde Tisch für Toleranz und Demokratie der Stadt Neumünster“ gegen das fortgesetzte Schüren von diffusen Ängsten vor einer angeblichen Überfremdung in unserem Land und gegen die ungerechtfertigte Gleichsetzung scheinbar religiös motivierter Terrorhandlungen mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

Der  Runde Tisch setzt sich für eine bunte und weltoffene Stadt Neumünster ein und tritt jeglicher Form menschenverachtender Haltungen konsequent entgegen. Wir sehen uns als Teil einer aktiven Zivilgesellschaft, die sich uneingeschränkt für die Weltoffenheit in unserer - bereits existierenden - Einwanderungsgesellschaft einsetzt. Wir treten insbesondere für die Menschen ein, die unseren Schutz und unserer Hilfe bedürfen. Niemand ist illegal und darf wegen seiner Herkunft und seines Glaubens ausgegrenzt oder diskriminiert werden. Wir machen uns für unsere Demokratie, für unsere Freiheit, für unseren friedlichen und sozialen Zusammenhalt stark.

In Neumünster haben wir in den vergangenen Jahren positive Erfahrungen mit der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge gemacht. Das Rote Kreuz als Betreuungsverband in der Einrichtung und das Diakonische Werk mit der Bonhoeffergemeinde, die das Café „Vis-à-Vis“ unterhalten, arbeiten erfolgreich mit anderen Fachleuten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern daran, die Not und das Leid der Flüchtlinge zu mindern. Weitere Unterstützung ist hier erwünscht.

Unsere Stadt bleibt weltoffen, tolerant und solidarisch!

Der  Runde Tisch solidarisiert sich mit allen Menschen, die sich bundesweit gegen dumpfe Vorurteile und Xenophobie wenden. Wir tolerieren keine Form von Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Faschismus. Gerade durch den  Zulauf für die islamfeindliche Bewegung „Pediga“ fühlen wir uns aufgefordert konsequent NEIN zu sagen. Wir wenden uns dabei an alle Neumünsteraner und Neumünsteranerinnen, die sich für eine bunte, freie und offene Gesellschaft einsetzen.  Der Runde Tisch nimmt damit eine klare Position gegen „Pediga“ ein und wird sich einer solchen Initiative, wenn nötig, auch vor Ort in den Weg stellen. Dies gilt umso mehr, als deren schleswig-holsteinischer Ableger „Shegida“ wesentlich von einem Neumünsteraner Neonazi  gesteuert wird.
Bei der Ablehnung von „Pegida / Shegida“ setzt der Runde Tisch auf die Grundwerte des Humanismus und der Demokratie sowie auf die Überzeugungskraft der Argumente, die seine Mitglieder gemeinsam vertreten.
So verweist der Runde Tisch auch auf die Hauptursachen der gegenwärtigen Flüchtlingsströme. Dies sind – wie schon in der Vergangenheit – Kriege und Bürgerkriege, durch die ganze Regionen verwüstet und auf Zeit unbewohnbar gemacht werden.  Daneben ist es aber auch die Verelendung großer Teile der Weltbevölkerung im Rahmen der sog. Globalisierung und des fortschreitenden Klimawandels. Wir erwarten deshalb von der Bundesrepublik Deutschland, dass sie sich intensiv für eine gerechte und nachhaltige Weltwirtschaftsordnung mit fairen Handelsbedingungen sowie für die friedliche Lösung von Konflikten einsetzt.

Neumünster, 09.02.2015